Gruppenarbeit

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Autorin: Katrina Diamond, Gloucestershire College, Cheltenham
Übersetzung: Rebekka Wilpert, Sozialforschungsstelle der Technische Universität Dortmund, Dortmund

Contents

Lernziele

Dieses Kapitel stellt die Methode der Gruppenarbeit (zum Wikipedia-Eintrag) vor. Unter Beschreibung von zwei praktischen Unterrichtsbeispielen wird gezeigt, wie soziale Medien (zum Wikipedia-Eintrag) sinnvoll in die Gruppenarbeit eingebaut werden können.

Einführung

Sie alle wissen was das Wort „Gruppe“ (zum Wikipedia-Eintrag) bedeutet, da alle schon Teil einer Gruppe oder sogar ihre Gründerin oder ihre Gründer waren. Da dieser Artikel sich mit der Methode der Gruppenarbeit beschäftigt, wird Gruppe wie folgt definiert:

„Eine Gruppe von Individuen mit den selben Bedürfnissen, die von der Möglichkeit profitieren miteinander zu arbeiten, voneinander zu lernen und auf diese Art und Weise Fertigkeiten, Wissen und eine eigene Einstellung zu erwerben.“

In der Methode der Gruppenarbeit geht es darum zusammen auf ein gemeinschaftliches Ziel hinzuarbeiten. Sicherlich funktioniert das nicht immer einwandfrei und selbstverständlich. Bei falscher Methodenvorbereitung und Gruppenzusammensetzung kann es dazu kommen, dass die extrovertierten (zum Wikipedia-Eintrag) Gruppenmitglieder die alleinige Leitung übernehmen, während sich andere eher zurückziehen. Die Arbeit entsteht somit nicht gemeinschaftlich und das Ziel der Gruppenarbeit, die auf soziale Interaktion (zum Wikipedia-Eintrag) abzielt, wird verfehlt.

Der große Vorteil von Gruppenarbeit ist jedoch, dass alle Individuen die Chance haben von- und miteinander zu lernen. Alle Schülerinnen und Schüler bringen unterschiedliches Vorwissen mit in eine Gruppe, das sie nun teilen können. Sie geben ihr eigenes Wissen weiter und nehmen Wissen von den anderen Mitgliedern auf. Damit Gruppenarbeit effektiv funktioniert, muss sie gut vorbereitet und geplant sein. Um eine gute Grundlage zu schaffen, sollten Sie als Lehrkraft die Zeit geben, dass jeder sich und seine Ideen von Gruppenarbeit vorstellen kann. Einige der Schülerinnen und Schüler werden eventuell noch nie in kleinen Lerngruppen gearbeitet haben, andere werden Erfahrung haben und wissen wie gute Gruppenarbeit funktionieren kann. Geben sie den Gruppenmitgliedern Zeit, sowohl über ihre Unerfahrenheit und ihre Bedenken, wie auch über ihre Erfahrungen mit Gruppenarbeiten zu sprechen.

Gruppen brauchen dennoch ihre Zeit bevor sie produktiv miteinander arbeiten können. Im Jahre 1965 entwickelte Bruce W. Tuckman (zum Wikipedia-Eintrag) ein Vier-, später Fünf-Phasenmodell. Dieses benennt die fünf Phasen, die Gruppen auf dem Weg zu guter Zusammenarbeit durchlaufen.


  • Orientierungsphase (Forming):

Hier geht es um ein erstes Kennenlernen. Wer sind die anderen Gruppenmitglieder? Bestehen Gemeinsamkeiten? Welche Unterschiede gibt es zwischen den Mitgliedern? Die Schülerinnen und Schüler lernen sich in dieser Phase kennen und werden sicherer im Umgang mit den anderen Lernenden. Ihre Aufgabe ist es hier dafür zu sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler sich in ihrer Gruppe sicher und wohl fühlen.

  • Konfrontationsphase (Storming):

In dieser Phase bildet sich die Gruppenstruktur heraus. Jede Gruppe hat zumeist eine Anführerin oder einen Anführer, der dafür sorgt, dass die Gruppe zusammenhält und gemeinsames Arbeiten funktioniert. Die Schülerinnen und Schüler nehme alle eine bestimmte Rolle in der Gruppe ein. Um den eigenen Status hier zu demonstrieren, kommt es oft zu kleinen Auseinandersetzungen zwischen den Lernenden. Interessant hierzu auch sicherlich der Artikel „Rollen innerhalb von Gruppen“ bei Wikipedia. Behalten sie die Gruppen im Auge, damit sie bei ausartenden Streitigkeiten eingreifen können.

  • Kooperationsphase (Norming):

Die Gruppe fühlt sich zusammengehörig und orientiert sich am „Wir“. Erste Ideen werden ausgetauscht, Meinungen angehört und Ziele festgesetzt. Es werden Regeln und Vereinbarungen für die Zusammenarbeit getroffen. Als Lehrkraft können Sie hier bei Fragen unterstützend zur Seite stehen.

  • Wachstumsphase (Performing):

In dieser Phase erkennen die Gruppenmitglieder, dass sie gemeinsam stärker sind als alleine und arbeiten produktiv zusammen. Wissen wird ausgetauscht und jeder bringt sich unter Berücksichtigung seiner Stärken ein. Gemeinsam arbeiten alle auf dasselbe Ziel hin.

  • Auflösungsphase (Adjourning):

Die Arbeit ist beendet und die Gruppe löst sich auf. Häufig werden in dieser Phase noch die erlebten Erfahrungen reflektiert. Haben Gruppen über einen langen Zeitraum zusammengearbeitet spielen Gefühle, wie Trauer und Abschied häufig eine Rolle.

Interessant zu diesem Thema über das Phasenmodell ist auch dieser Artikel.

Motivationslevel

















Wie soziale Medien dieses Vorhaben unterstützen können, sollen die folgenden zwei Unterrichtsbeispiele zeigen.

Anwendung im Klassenzimmer

Unterrichtsbeispiel 1: Marktplatz oder Gruppenpuzzle


Marktplatz oder Gruppenpuzzle ist eine gute Methode, um Gruppenarbeit und soziale Medien (zum Wikipedia-Eintrag) zu vereinen. Wählen Sie ein Hauptthema aus, zum Beispiel „Meilensteine in der Entwicklung des Tourismus während des 20. und 21. Jahrhundert und dessen Einfluss auf die Industrie“. Jetzt wird das Hauptthema in verschiedene Unterthemen gegliedert, zum Bespiel:

  1. Die Einführung von Kreuzfahrtschiffen
  2. Der Zweite Weltkrieg
  3. Die Einführung von Flugzeugen
  4. Die Einführung von Urlaubspaketen

Teilen Sie die Klasse nun in Stammgruppen. Jede Stammgruppe überlegt zusammen, wer welches Unterthema behandeln soll. Haben die Schülerinnen und Schüler sich geeinigt, setzen sich alle. die sich für das 1. Unterthema, alle die sich für das 2. Unterthema entschieden haben, …, in den jeweiligen Expertengruppe für das ausgewählte Unterthema zusammen. Gemeinsam können die Lerngruppen nun Informationen zu ihrem Thema sammeln. Geht die Aufgabe über die Unterrichtszeit hinaus, können die Gruppen natürlich auch von zuhause aus, als Hausaufgabe, daran weiterarbeiten. Hier setzen die sozialen Medien ein. Zum Beispiel die kostenlose Kommunikationssoftware Skype (zur Webseite des Programms, zum Wikipedia-Eintrag, zum Wiki-Artikel) bietet sich hier an. Die Lernenden können sich hier mit einem Benutzernamen anmelden und an Videotelefonaten mit bis zu zehn Personen teilnehmen. Auch Pseudonyme können hier verwendet werden. So können sie auch als Gruppe zusammenarbeiten, wenn sie nicht mehr gemeinsam in der Schule sind. Hierfür könnte die Mitglieder zum Beispiel für den Nachmittag eine Zeit festlegen.

Ein kurzes Video zeigt Ihnen, wo Sie die Software für Skype kostenlos bekommen und wie diese funktioniert

Einführung Skype


Jedes Gruppenmitglied entwickelt sich durch den Austausch und die Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern zu einer Expertin oder einem Experten. Ist die erste Phase abgeschlossen, kehren die Schülerinnen und Schüler in ihre Stammgruppen zurück. In jeder Gruppe sitzt nun mindestens ein Lernender mit Expertenwissen zu jedem Unterthema. Jeder referiert nun kurz über sein Unterthema. Die Informationen können gesammelt werden und in Zusammenarbeit erstellen die Stammgruppen dann eine Präsentation zu dem vorgegebenen Hauptthema.

Dieses können sie zum Beispiel in Form einer PowerPoint-Präsentation machen. PowerPoint (zur Webseite des Programms, zum Wikipedia-Eintrag) ist ein Programm, mit dem sich kostenlos interaktive Präsentationen erstellen lassen. Diese Präsentationen können die Gruppen dann, um sie für alle anderen zugänglich zu machen, auf der Plattform YouTube (zur Plattform, zum Wikipedia-Eintrag), hochladen.

Auch ein Wiki kann zum Festhalten der Informationen dienen. Lesen Sie hierzu auch den Artikel "Was sind soziale Medien?".

Dieses Video erklärt die Methode des Gruppenpuzzles kurz und anschaulich:

Methode Gruppenpuzzle


Unterrichtsbeispiel 2: Placemat oder Tischdecken-Gruppenarbeit


Das zweite Beispiel ist eine Kombination aus Einzel-, und Gruppenarbeit, bei der später ein gemeinsames Endwerk entstehen soll. Wie auch im Unterrichtsbeispiel 1 wird ein Thema vorgegeben, zum Beispiel „Die Steinzeit“.

Jede Gruppe erhält nun ein Plakat, dass wie auf dem unten folgenden Bild eingeteilt ist.


Gruppenpuzzle






















Diese Version ist für eine Gruppe von vier Schülerinnen und Schüler ausgelegt, bei Bedarf muss das Platzdeckchen angepasst werden. Zunächst arbeiten alle in Einzelarbeit. Schweigend sollen die Schülerinnen und Schüler aufschreiben, was sie über das Thema Steinzeit wissen. In der zweiten Runde werden den Anderen die Ergebnisse mitgeteilt. Dieses kann entweder dadurch passieren, dass man das Platzdeckchen viermal um 90° weiterdreht, damit jeder jede Seite einmal lesen kann, oder dieLernenden stellen ihre eigenen Ideen selber vor. Jetzt geht es in die Diskussionsphase: Welche Punkte sind die wichtigsten? Welche sollen als Endergebnis der Gruppe festgehalten werden? Ziel ist es, dass die Gruppe sich auf die wichtigsten Dinge einigt und sie in Reinform in der Mitte des Plakates festhält. Eine ausführliche Erklärung zur Methode Placemat oder Tischdecken-Gruppenarbeit erhalten Sie hier.

Auch in diese Methode von Gruppenarbeit lassen sich soziale Medien wunderbar einbauen. Stellen Sie die Aufgabe als Hausaufgabe und fordern Sie Schülerinnen und Schüler dazu auf, ihre Ergebnisse in einem gemeinsamen Wiki-Eintrag festzuhalten. Generell eignet sich aber jede Software, die kollaboratives Schreiben (zum Wikipedia-Eintrag) zulässt.

Weitere Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer

Effektive Gruppenarbeit braucht Zeit. Erwarten Sie in den ersten Versuchen nicht zu viel. Im Laufe der Zeit werden die Schülerinnen und Schüler lernen, wie man sich in Gruppenarbeiten am besten einbringt und verhält. Die genannten Medien sind nur Beispiele. Für Gruppenarbeit und kollaboratives Schreiben eignen sich noch viele Programme mehr. Vielleicht kennen auch Ihre Lernenden noch passende Programme? Scheuen Sie sich nicht davor, auch den Schülerinnen und Schülern mal die Leitung zu überlassen. Viele von ihnen werden sich besser auskennen, als die meisten Lehrkräfte. Dieses Wissen sollten die Lehrerinnen und Lehrer nutzen. Davon können auch Sie profitieren.

Quellen

Videoquellen:

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